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TrueDark Brille im Test: Wie eine Blaulichtfilterbrille meinen Abend und Schlaf verändert hat

Ein Abend, Stunde für Stunde – einmal ohne und einmal mit der rot getönten TrueDark Blaulichtfilterbrille. Ehrlicher Erfahrungsbericht, inklusive der drei Dinge, die mich stören.

Sarah LindqvistVon Sarah Lindqvist ·
Frau mit getönter Blaulichtfilterbrille am Laptop im warmen Abendlicht

Es ist kurz nach eins, und ich bin wach. Nicht halb wach, nicht dösig – wach wie am Vormittag. Die Heizung in meiner Münchner Wohnung knackt, draußen fährt alle paar Minuten ein Auto vorbei, und mein Kopf sortiert Dinge, die bis Donnerstag Zeit hätten. Ich kenne diesen Moment so gut, dass ich schon beim Aufwachen weiß, wie der Rest der Nacht laufen wird.

Wenn du das kennst – Augen, die nach einem langen Bildschirmtag brennen, ein dumpfes Pochen an den Schläfen, und dann trotzdem dieses Hellwachsein um eins –, dann geht es dir wie mir vor gut zwei Monaten. Ich habe irgendwann angefangen, nicht mehr über meinen Schlaf nachzudenken, sondern über die vier, fünf Stunden davor.

Kurz vorweg, falls du nur das wissen willst: Eine Blaulichtfilterbrille filtert einen Teil des blauen und grünen Lichts von Displays heraus. Sie heilt nichts und ersetzt keinen Arzt. Bei mir hat die abendliche, tief rot getönte TrueDark-Variante vor allem eines geschafft – meinem Abend einen Schlusspunkt zu geben. Erzählen lässt sich das am ehesten als Stundenplan. Erst der alte Abend, dann derselbe Abend mit Brille.

Der alte Abend, Stunde für Stunde

21 Uhr: noch schnell die Korrekturen

Der Monitor lief da schon seit dem Vormittag. Abends kamen die letzten Layout-Korrekturen am Laptop dazu, weil sich das so gut anfühlt: klein, überschaubar, in zwanzig Minuten erledigt. Es waren nie zwanzig Minuten.

Gegen halb zehn merkte ich es zuerst an den Augen. Trocken, ein Sandgefühl beim Blinzeln, dazu ein leises Pochen an den Schläfen, das nie stark genug war, um etwas dagegen zu tun, und nie schwach genug, um es zu vergessen.

22:30 Uhr: die Stunde, die eine Runterkomm-Stunde sein sollte

Diese Stunde war der eigentliche Problemfall. Laptop zu, Handy auf. Und weil ich das selbst gemerkt habe, habe ich über Monate vier Dinge probiert, um genau diese Stunde zu retten.

  • Nachtmodus am Handy: nett, aber ich habe trotzdem bis Mitternacht gescrollt. Die Software ändert die Farbe, nicht die Gewohnheit.
  • Teure Augentropfen: halfen gegen das Brennen, null gegen den kreisenden Kopf.
  • „Einfach früher weglegen“: reine Willenskraft, hat ungefähr drei Abende gehalten.
  • Ein billiges Klarglas-Brillchen vom Marktplatz: keinerlei Unterschied, weil der Filter kaum spürbar war.

Irgendwann wollte ich das Thema abhaken. Vielleicht bin ich eben ein schlechter Schläfer, dachte ich – so wie man das denkt, wenn nichts hilft.

23:45 Uhr: Licht aus, Kopf an

Im Dunkeln war ich müde, aber nicht schläfrig. Das ist ein Unterschied, den man erst versteht, wenn man beides monatelang verwechselt hat. Der Körper lag da, der Kopf drehte Runden, und ich griff aus reiner Hilflosigkeit noch mal zum Handy. Was mich dabei am meisten gestört hat, war weniger die Müdigkeit als das Gefühl, dass mein Abend gar nicht mehr mir gehörte. Er gehörte dem Bildschirm.

1 Uhr: hellwach, ohne Grund

Und dann eben der Moment vom Anfang. Nicht jede Nacht, aber oft genug, dass ich ihn eingeplant habe. Der Morgen danach begann verlässlich mit dem Gefühl, schon verloren zu haben, bevor irgendetwas angefangen hatte.

Zwischenspiel: eine Freundin, eine rote Tönung, 90 Euro

Anfang des Jahres erwähnte eine Freundin, die in Schichten arbeitet, beiläufig, dass sie abends eine deutlich rot-orange getönte Brille trägt – kein modisches Klarglas. Der Gedanke dahinter: Helles, kühles Licht am Abend signalisiert dem Körper Tag. Eine starke Tönung dämpft genau diesen Anteil.

Das erklärte im Nachhinein, warum mein Klarglas nichts gebracht hatte. Ein kaum sichtbarer Filter dämpft eben kaum etwas. So bin ich auf die TrueDark Brille gestoßen – die abendliche Variante, die Twilights, ist bewusst tief rot getönt, kein Accessoire fürs Büro.

Bestellt habe ich sie für rund 90 Euro. Als sie in einem schmalen schwarzen Etui ankam, habe ich beim Preis kurz geschluckt – für eine getönte Brille ist das nicht wenig. Von da an lief derselbe Abend anders.

Dieselben Stunden, mit Brille auf der Nase

21 Uhr: die Brille kommt aufs Gesicht

Zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen setze ich sie auf, immer dann, wenn ich abends noch am Bildschirm sitze. Beim ersten Mal war die Tönung ein kleiner Schock: Die ganze Wohnung sieht plötzlich aus, als wäre sie von einem Lagerfeuer beleuchtet. Weiße Wände werden warm-orange, der Laptop-Bildschirm sieht aus wie hinter Bernstein.

Das Gestell ist leichter, als ich erwartet hatte – schwarzer Kunststoff, der nach ein paar Stunden leicht hinter den Ohren drückt, mehr aber auch nicht. Die Korrekturen mache ich weiter, nur eben in Orange.

22:30 Uhr: dieselbe Stunde, anderer Reiz

Schon in der ersten Woche war der spürbarste Effekt ein ziemlich unspektakulärer: Der Bildschirm reizte weniger, meine Augen brannten abends kaum noch. Ob ich schneller einschlief, konnte ich da noch gar nicht sagen.

Nach ein, zwei Wochen kippte etwas anderes – nicht das Glas, sondern der Ablauf. Die Brille wurde mein Signal: aufsetzen heißt, der Tag ist gleich vorbei. Das Handy legte ich früher weg, fast automatisch, ohne den üblichen inneren Streit.

Die Brille hat nicht meinen Schlaf repariert – sie hat mir meinen Abend zurückgegeben.

23:30 Uhr: Licht aus, ohne Verhandlung

An einem Abend ein paar Wochen später las ich mit der getönten Brille ein Buch, statt zu scrollen. Irgendwann legte ich es weg, weil ich wirklich müde war – nicht erschöpft, sondern schläfrig. Genau dieser Unterschied, den ich vorher monatelang verwechselt hatte.

1 Uhr: nichts

An diesen Morgen erinnere ich mich, weil das übliche Wachliegen um eins einfach ausblieb. Kein Wunder, kein Aha. Nur Ruhe. Das ist mein subjektiver Eindruck, kein Messwert – aber gut zwei Monate später ist es der Normalfall geworden, nicht die Ausnahme.

Ehrlich bleiben muss ich trotzdem: An Abenden, an denen ich gestresst war oder spät noch gearbeitet habe, lag ich mit Brille genauso wach wie vorher. Sie ist ein Werkzeug, kein Schalter. Die Kopfschmerzen abends sind deutlich seltener geworden – auch das subjektiv, aber ich merke den Unterschied jeden zweiten, dritten Tag.

Was an der Brille wirklich nervt

Erstens die Tönung. Sie macht abends Farben unbrauchbar. Einen Film schauen kann ich in der Brille nicht – alles ist rot-orange verwaschen, Hauttöne sehen seltsam aus, und Fotos zu sortieren ist sinnlos. Wenn ich abends noch eine Serie sehen will, muss ich sie absetzen, und schon ist das kühle Bildschirmlicht wieder da.

Zweitens muss man sie tatsächlich tragen. An Abenden, an denen ich sie „nur heute mal“ weggelassen habe, war der alte Zustand sofort zurück. Ein, zwei vergessene Abende, und der Effekt ist weg. Wer sich nicht darauf einlässt, sie jeden Abend aufzusetzen, wird enttäuscht sein.

Und drittens der Preis. Für das, was am Ende eine gut getönte Brille ist, ist er hoch – es gibt Klarglas-Modelle für einen Bruchteil. Für mich war die spürbar stärkere Tönung den Aufpreis wert, aber ich verstehe jeden, der da zögert.

Und damit ist auch klar, für wen sie nichts ist: Wenn du eine modische, kaum getönte Brille fürs Büro suchst, ist die abendliche TrueDark zu dunkel – die ist fürs Sofa gedacht, nicht fürs Meeting. Wenn du abends noch Filme schauen oder Fotos bearbeiten willst, wirst du sie ständig absetzen. Und wenn du eine Garantie für besseren Schlaf erwartest, wird dich jede Brille enttäuschen. Die Ursachen von Schlafproblemen können vielfältig sein; bei anhaltenden Beschwerden gehört das ärztlich abgeklärt, nicht mit einer Brille kaschiert.

Was nach zwei Monaten solcher Abende übrig bleibt

Wenn ich die beiden Stundenpläne nebeneinanderlege, ist der Unterschied nicht die Nacht, sondern die Zeit davor. Der Abend hat wieder einen Anfang und ein Ende. Würde ich die TrueDark Brille noch mal kaufen? In meinem Fall ja – nicht wegen Magie, sondern wegen des Ablaufs, den sie ausgelöst hat.

Wenn du dich in diesem Hellwach-um-eins wiedererkennst und dich der Preis nicht abschreckt, ist die rot getönte Twilights-Variante einen ehrlichen Versuch wert. Schau dir vorher in Ruhe an, was sie aktuell kostet und wie die Rückgabe geregelt ist – und rechne damit, dass die ersten Abende vor allem seltsam orange aussehen.

Häufige Fragen zur TrueDark Brille und zum Schlaf

Wie funktioniert eine Blaulichtfilterbrille eigentlich?

So wie ich es verstehe, filtern die getönten Gläser einen Teil des blauen und grünen Lichts heraus, das Bildschirme und LEDs am Abend abgeben. Dieses Licht kann die Melatonin-Ausschüttung bremsen, und in meiner Erfahrung fällt mir das Einschlafen leichter, wenn ich die Brille zwei bis drei Stunden vor dem Schlafen trage. Es ist kein Medikament, sondern eher ein Umschalten der Umgebung.

Ab welcher Uhrzeit trägst du sie – und wie lange hat es gedauert, bis du einen Unterschied gemerkt hast?

Ich setze sie gegen 21 Uhr auf, also die letzten zwei bis drei Stunden vor dem Schlafen, immer wenn ich abends noch am Laptop bin. Das Augenbrennen war schon in den ersten Abenden besser. Beim Schlaf hat es bei mir etwa ein bis zwei Wochen gedauert – und der größte Effekt kam ehrlich gesagt erst, als das Aufsetzen zum festen Bestandteil des Abends wurde.

Kann man in der rot getönten Brille fernsehen oder Fotos bearbeiten?

Nein, das ist der klarste Nachteil. Die Tönung ist so stark, dass Farben abends unbrauchbar werden. Für einen Film oder zum Fotosortieren muss ich sie absetzen. Die Twilights sind bewusst fürs Runterkommen vor dem Schlafen gebaut, nicht für den Serienabend.

Ist die Brille nicht ziemlich teuer für eine getönte Brille?

Doch, das finde ich auch. Es gibt Klarglas-Brillen für einen Bruchteil, und ich habe beim Kauf geschluckt. Für mich hat sich der Aufpreis gelohnt, weil die Tönung spürbar stärker ist als bei den Billig-Modellen, die bei mir nichts gebracht haben. Aber ein Schnäppchen ist es nicht.

Ist die Brille sicher, oder gibt es Nachteile?

Für mich fühlt sie sich wie eine ganz normale getönte Brille an – ich trage sie seit Wochen fast täglich, ohne Probleme. Der ehrliche Nachteil ist die starke Tönung, die abends alles rötlich färbt, und dass sie kein Wundermittel ist. Bei anhaltenden Kopfschmerzen oder Schlafproblemen solltest du das ärztlich abklären lassen, nicht nur eine Brille aufsetzen.

Für wen ist die TrueDark Brille sinnvoll – und für wen nicht?

Für mich war sie deshalb sinnvoll, weil ich abends lange am Bildschirm sitze, schlecht abschalte und oft Kopfschmerzen vom Monitor hatte. Wenn du dich darin wiedererkennst, dürfte das Gleiche gelten. Nichts für dich ist sie, wenn du eine unauffällige Bürobrille willst, abends noch Filme schaust oder eine Garantie für besseren Schlaf erwartest.

Wo bekomme ich sie, und mit welchem Modell fange ich an?

Es gibt sie direkt bei TrueDark. Ich würde mit dem einen abendlichen Modell anfangen und ein paar Wochen schauen, ob es zu deinem Abend passt, bevor du mehr ausgibst.

Leser-Erfahrungen

Kommentieren
  • Lena F. · Mai 2026

    Die rote Tönung sieht schon speziell aus und Filme schauen geht damit nicht. Aber ich schlafe seit ein paar Wochen tatsächlich schneller ein, wenn ich sie abends trage.

  • Tobias N. · April 2026

    Für den Preis hätte ich mehr erwartet. Bei mir helfen sie gegen den Druck hinter den Augen nach langen Bildschirmtagen – mehr aber nicht.

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